
Was: Ein für mich echt besonderes Dorf (Chamula)
Wo: nahe San Cristóbal (Colectivo: 18 Pesos jeweils für Hin und Rückfahrt)
Öffnungszeiten: fahrt so gegen 10 etwa hin und seid nachmittags vor 17 Uhr (Sonne geht unter) wieder zurück in San Cris
Eintritt: die Kirche hat damals 25 Pesos gekostet. Möglich, das heute mehr verlangt wird
Webseite: braucht ihr nicht 😉
Chamula ist ein süßes, schönes und putziges kleines Dorf, mit einem großen Markt mitten auf dem Hauptplatz, einer Kirche, die mich auf ihre ganz eigene Art berührt hat und einen wirklich knuffigen Aussichtspunkt.
Da ich hauptsächlich wegen der Kirche in Chamula war, bin ich kurz über den Marktplatz geschlendert, auf dem es wie immer alles mögliche einzukaufen gab, und dann recht schnell in Richtung Kirche. An dieser Stelle werde ich einfach meinen Tagebucheintrag von dem entsprechenden Tag rausholen, weil die Kirche für mich etwas sehr Besonderes war:
„Ich betrete die Kirche. Das Erste, was ich wahrnehme, sind die grau/braunen Vorhänge, die wie halbiert locker von der Decke zur Seite gespannt sind und eine Art Dachförmigen Bogen in der Kirche bilden. Sie hängen so, dass man nicht nur einen, sondern mehrere auf einmal sieht. Das zweite, was ich wahrnehme, ist der Rauch und ein dazugehöriger Weihrauchähnlicher Geruch, der sich vor allem im hinteren Teil der Kirche verdichtet. Dann nehme ich das Lichtermeer von Kerzen wahr, was sich entlang beider Wände und vor auf dem Boden betenden Menschen ergibt. Ich nehme das Akkordeon wahr, dass von einem buuum buuum bum bum bum begleitet wird, die Menschen, die auf dem Boden hocken und leise und laut beten, der Rauch der von den Kerzen aufsteigt, den Schamane/Priester/ ich habe keine Ahnung, der einen Kelch aus Leder und Holz in der Hand hält aus dem Rauch aufsteigt und ihn weihend über Figuren an der Wand und den Kerzen davor auf und ab bewegt. Die Wand rahmen Figuren in Vitrinen, die alle irgendeine wichtige Persönlichkeit der Bibel darstellen, wie ich vermute. Der Boden ist mit einer Art trockenem langen und hartem Gras ausgelegt. Keine Ahnung, was das genau ist. Was mir sofort klar wird: diese Kirche ist nicht wie alle anderen. Sie ist besonders, einzigartig, fast schon intim.
Die Stimmung ist unfassbar persönlich, privat, ich habe Menschen noch nie so ernsthaft und versunken beten sehen. Es ist so intim, dass ich mich wie ein Eindringling fühle, wie jemand, der aus Respekt vor dem Glauben der Menschen und dieser Atmosphäre die Kirche wieder verlassen sollte. Doch ich kämpfe mit mir und bleibe. Denn dies ist die erste Kirche, die mir Respekt einflößt, die mich innehalten, mich die Atmosphäre einsaugen lässt wie einen Schwamm, die mir die Tränen in die Augen treibt und die mich berührt. Das hat noch keine Kirche geschafft. Nicht eine. Genau deswegen ist diese Kirche nicht wie alle anderen. Sie ist einzigartig und anders. Mag sein, dass die Kirchen in en Pueblos Indígenas alle so sind. Für mich wird diese Erfahrung jedoch einzigartig und unvergesslich bleiben. Ich beginne langsam in die Kirche hineinzulaufen. Draußen steht keine Fotos und keine Videos etc machen. Ich dachte erst “Höh? Warum?!” jetzt verstehe ich es. Es ist ein Privileg hier hineinzudürfen. Diese Atmosphäre miterleben zu dürfen. Wir sind sowieso schon diejenigen, die andere in ihrer Privatsphäre, wenn sie zu Gott sprechen – egal ob ich daran glaube oder nicht man sieht, wie ernst es ist – stören. Wir betreten einen für diese Menschen absolut heiligen Ort. Einen Ort an dem sie keine Verkäufer von der Straße, weder Mutter, noch Tochter, noch sonst wer sind. Hier sprechen sie jemanden an dem sie voll und ganz vertrauen, führen sozusagen Gespräche mit sich selbst, mit ihren innersten Wünschen, Sehnsüchten, sie Danken und Bitten. Das sehen zu dürfen ist eigentlich völlig unnachvollziehbar, da sie den Touristen dabei Einzug in ihren privaten Raum, ihren vermutlich sogar Rückzugsort gewährleisten. Ich für meinen Teil bezweifle, dass die Einheimischen das so geil finden. Der Blick einer Frau spricht Bände. Ich beschließe mich vorsichtig und leise zu bewegen, den am Boden knieenden oder sitzenden Menschen ihren Raum zu lassen und wenn ich ihnen zu nahe kommen muss mit “con permiso” zu verdeutlichen, dass ich nicht direkt freiwillig in ihren persönlichen Raum eindringe.
Auf meinem Weg zum Altar sehe ich Kinder, Frauen und Männer vor Reihen von auf dem Boden stehenden Kerzen beten. Ein Mann betet beinahe lautstark und sieht dabei so bittend aus, dass ich mich nicht traue ihn zu beobachten. Es ist eine zu persönliche Szene zwischen ihm und dem Gott, an den er glaubt. Ich gehe weiter nach hinten durch und stehe bald vor dem Altar. Neben mir wird Musik gespielt. Als diese aufhört, wird an alle Cola in kleinen Kerzen- Schnapsgläsern verteilt. Ein paar der älteren Herren trinken etwas das aussieht wie Alkohol, es könnte allerdings auch Weihwasser sein, da eine Frau die direkt vor dem Altar sitzt dies links und rechts, wie zum Weihen, an die Kerzen schüttet. Die Frau neben ihr hat ein Huhn dabei, dass nachdem es ruhig hingesetzt wurde, still, fast wie ein Hund, einfach neben ihr sitzen bleibt. Diese Kirche hier anders ist als alles, was ich kenne. Sie berührt mich und ich hätte niemals für möglich gehalten, dass eine Kirche so etwas könnte.
Ich verziehe mich wieder ein Stück weit, sehe noch ein Huhn, eine Frau die ihr Baby stillt, zahllose betende auf dem Gras knieende Menschen, die zu den Kerzen sprechen. Niemand hat Angst, dass etwas in Brand gesetzt werden könnte. Alle achten gemeinsam und ruhig auf die Sicherheit. Ein Mann wischt rasch mit seinem Fuß ein paar Grashalme etwas weiter von der Kerze weg. Just in case. Es ist….. die Atmosphäre macht mich einfach und schlicht sprachlos, zieht mich in ihren Bann und lässt mich nicht mehr los. Ich hätte alles dafür gegeben hier ein Video und Fotos machen zu dürfen, kann aber gleichzeitig sehr sehr gut verstehen, warum das nicht drin ist. Dass ich hier überhaupt rein darf empfinde ich wirklich bereits als ein Privileg und eigentlich beinahe schon unangenehm.
Ich gehe sehr langsam in Richtung Eingang der Kirche, versuche alles zu verinnerlichen, mir alles zu merken, sauge alles noch einmal in mich auf wie ein Schwamm. Denn bezüglich einem bin ich mir sicher: ich werde nicht mehr zurückkehren. Nicht weil ich nicht wollte, sondern schlicht, weil es logisch gesehen vermutlich nicht passieren wird. Und auch weil mich die Szenerie etwas überfordert. Sie lässt mich mich wie einen Eindringling fühlen. Ich würde mich gerne dazusetzten, fände das aber wiederum respektlos den Menschen gegenüber, die dort wirklich sitzen und beten. Die Situation ist zu sensibel, zu intim, zu direkt, die Menschen zu verletzlich. Das könnte ich mit mir selber nicht vereinbaren. Und so lasse ich die Musikgruppe an mir vorbei nach draußen ziehen und steige dann selbst über die Ministufe wieder ins Freie hinaus. Die Kirche lässt mich nachdenklich, mit hohem Respekt vor der Verletzlichkeit dieses Ortes und den Menschen dieses Dorfes und so sentimental zurück wie ich nie geglaubt hätte nach einem Kirchgang sein zu können.“
Ich habe all das noch am selben Tag geschrieben, weil diese Kirche damals wirklich etwas mit mir gemacht hat. Es war eine der eindrücklichste Erlebnisse meiner ganzen Reise. Dementsprechend emotional und bewegt bin ich natürlich eine Zeit lang weiter rumgelaufen. Irgendwann kam dann aber wieder die Kamera raus und ich bin auf Entdeckungstour gegangen.
Die Straßen von Chamula zeichnen das echte, wahre Chiapas. Ziemlich ärmliche Behausungen, wie auch Hütten oder Häuser mit einem Auto im Vorgarten. Gleichzeitig fand ich die „Plakate“ an den Wänden (Wandmalereien) zur Notrufnummer, Schwangerschaftstipps oder auch Karies irgendwie witzig, wie auch sehr bezeichnend für das Leben vor Ort. Vor allem aber fand ich es wahnsinnig interessant und extrem eindrucksvoll zu sehen, wie anders alles ist im Vergleich zu Europa.
Für den Aussichtspunkt musste ich schließlich noch eine kleine Auffahrt hoch. Und tatsächlich hat man von zwischendrin auch mehr gesehen, als von ganz oben – Bäume über Bäume 😀 – aber joa. Mexiko halt irgendwie. Du kriegst nie so ganz was du erwartest, hast aber dadurch auch meist ein kleines Schmunzeln auf den Lippen. Zumindest wenn man sich drauf einlässt 😉
Chamula ja oder nein? Für mich ist Chamula ein absoluter Must Tagestrip. Die Kirche, das kleine Dorf und was man einfach alles für Eindrücke mitnimmt und wie viel von Mexiko man sehen kann, wenn man mal ein paar Straßen runterläuft. Es ist den Ausflug echt wert! 😊
Könnte Dich auch interessieren >>
Katpack
Adresse
PLZ, Stadt
Land
Tel.:
Mail:
Insta: Name
FB: Name
YT: Name
LinkedIn: Name
TikTok: Name
Hier abonnieren: Mail
Informationen zu Reisezielen
Blogging
Reiseberatung
Impressum • Datenschutz • AGB • Copyright © 2023 • Katpack